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Erziehungswissenschaftliche Verhältnisbestimmungen


Gemeinsame Jahrestagung der Kommission Qualitative Bildungs- und Biographieforschung & der Kommission Psychoanalytische Pädagogik
09.-11. September 2026
Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU), Standort Landau
Organisation: PD Dr. André Epp, Vertr.-Prof. Dr. Karen Geipel, Moritz Heß, Prof. Dr. Merle Hinrichsen, Marlene Jäger, Vertr.-Prof. Dr. Marian Kratz, Safa Mohammad
Kontakt: Kommissionstagung2026(at)rptu.de
Gesellschaftliches Zusammenleben ebenso wie Prozesse der Bildung und Erziehung stehen im Horizont prekärer Zukunftsszenarien und multipler Krisenkonstellationen (vgl. Göppel et al.,2023; Sturm et al., 2025; Wischmann et al., 2024). Diese sind eng mit gegenwärtigen, vielschichtigen (global-)gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Umbrüchen verschränkt – etwa ökologischen Katastrophen, Krisen neoliberaler Ökonomien, Kriegen und Ressourcenkonflikten sowie dem zunehmenden Erstarken rechtsextremer Kräfte und der Infragestellung demokratischer Gesellschaftsmodelle –, die sich vielfach wechselseitig bedingen und verstärken (vgl. Schwendowius et al., 2025; Zimmermann et al. 2023). Im Kontext dieser Dynamiken sind auch (veränderte) Formen, Praktiken und Diskurse des sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhaltens, der Solidarisierung sowie des Gemeinsinns zu beobachten. Dabei lassen sich einerseits Formen solidarischen Handelns in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten erkennen, etwa während der Pandemie, im Rahmen von Flucht- und Migrationsprozessen sowie in transnationalen jugendlichen Protestbewegungen (bspw. Kollender, 2025; Posmek, 2024; Ratzenböck et al., 2023). Sie eröffnen Möglichkeitsräume, um Grenzziehungen, Ausschlüsse, Ungleichheiten und Machtverhältnisse zu problematisieren und für egalitäre, nachhaltige, vielfältige und partizipative gesellschaftliche Zukünfte einzutreten. Andererseits wird sichtbar, dass Narrative und Praktiken des Zusammenhaltens zugleich in Prozesse der sozialen Polarisierung, Fragmentierung und Exklusion und/oder in antidemokratische Diskurse eingespannt sein können (vgl. Brunner et al., 2015; El-Mafaalani, 2025), im Zuge derer Gesellschaft als national, geschlossen und exklusiv gefasst und imaginiert wird. Diese Dynamiken verweisen auf die heterogenen und bisweilen widersprüchlichen Kontexte, Interessenlagen und Konsequenzen, die sich mit Praktiken des Zusammenhaltens im Spannungsfeld von Solidarisierung und Vergemeinschaftung in Krisenzeiten verbinden (vgl. Bayramoğlu & Castro Varela, 2021).
Vor diesem Hintergrund richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend darauf, wie sich solche Prozesse und Praktiken in ihren vielfältigen Dimensionen und Ambivalenzen erziehungswissenschaftlich näher bestimmen lassen, welche Bedeutung ihnen für Bildungs- und Biographisierungsprozesse in gesellschaftlichen (Krisen-)Verhältnissen zukommt und wie Bildung und Erziehung an ihrer Entstehung, Tradierung und Aufrechterhaltung beteiligt sind. Diskutiert werden dabei u.a. Fragen des intraindividuellen, sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalts (vgl. Fischer & Tuider, 2021; Elsner et al., 2024), auch mit Blick auf generationalen Wandel (vgl. Ertugrul & Bauer, 2023), Fragen von Sorge und Solidarität (vgl. Schuppener et al., 2025), von Widerstand (vgl. Butler et al., 2017) sowie von Vertrauen und Verantwortung (vgl. Fonagy & Campbell, 2023). Zudem wird Zusammenhalten in seinen begrifflichen Verschränkungen mit anderen analytischen Konzepten und Kategorien reflektiert (bspw. Lessenich et al., 2020). Übergreifend verweisen diese theoretischen und methodologischen Einsätze auf die konstitutive Bedeutung von Relationalitäten und Zugehörigkeiten, von der Angewiesenheit auf und dem Verbunden-Sein mit andere(n) in der Sozial- und Subjektwerdung von Menschen (vgl. Ricken et al., 2019; Becker, 2025). Zugleich machen sie darauf aufmerksam, wie soziale Zusammenhänge und Beziehungen, in denen sich Erziehungs-, Bildungs- und Biographisierungsprozesse vollziehen, Inklusion und Exklusion hervorbringen und in komplexer Weise in Macht- und Herrschaftsverhältnisse eingebunden sind.
Die diesjährige Jahrestagung, die gemeinsam von der Kommission „Qualitative Bildungs- und Biographieforschung“ und der Kommission „Psychoanalytische Pädagogik“ ausgerichtet wird, zielt darauf, Erziehungs-, Bildungs- und Biographisierungsprozesse in ihren psycho-/sozialen Bezügen und Dynamiken sowie in ihren individuellen, gesellschaftlichen und kollektiven Dimensionen in den Blick zu nehmen. Das Anliegen ist es, Phänomene des Zusammen|Halt|ens in Krisenzeiten aus unterschiedlichen theoretischen und method(olog)ischen Perspektiven zum Gegenstand zu machen. Dabei sollen sowohl die analytischen Potenziale dieser Perspektiven ausgelotet als auch Spannungsfelder, Problematisierungen und Paradoxien rund um Dimensionen des Zusammen|Halt|ens kritisch in den Blick genommen werden. Ausgehend von den verschiedenen, in den jeweiligen Kommissionen vertretenen Zugängen, soll dabei gemeinsam der Frage nachgegangen werden, wie sich Zusammen|Halt|en in Praktiken, Diskursen, biographischen Prozessen und Selbstverständnissen unter Bedingungen gesellschaftlicher Krisenkonstellationen konstituiert und vollzieht, wie es generativ gedacht und pädagogisch mitgestaltet werden kann.
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In Anlehnung an die thematische Eingrenzung lassen sich Fragen sowohl aus den Perspektiven qualitativer Bildungs- und Biographieforschung als auch der Psychoanalytischen Pädagogik stellen sowie in ihrer Verschränkung in ganz unterschiedliche Richtungen weiterdenken, die sich u.a. auf folgende Aspekte beziehen können:
- Wie lässt sich Zusammen|Halt|en aus Perspektiven qualitativer Bildungs- und Biographieforschung und/oder Psychoanalytischer Pädagogik theoretisch fassen und empirisch untersuchen? Welche symbolischen, sozialen, biographischen und psychodynamischen Dimensionen sind dabei konstitutiv? Welche analytischen Perspektiven eröffnen sich hieraus für erziehungswissenschaftliche Theoriebildung und welche Herausforderungen sind damit verbunden?
- Welche Praktiken, Narrative und Deutungsmuster des Zusammen|Halt|ens in Krisenzeiten lassen sich rekonstruieren? Welche (u. U. widersprüchlichen) Implikationen sowie möglichen(Um-)Deutungen sind damit verbunden?
- Welche Bedeutung kommt Zusammen|Halt|en für Erziehungs-, Bildungs- und Biographisierungsprozesse zu? Was sind innere Dynamiken und Relationen, die Subjekte (in ihrer biographischen Konstruktion) zusammen|halten?
- Welche Ausschlüsse und sozialen Ungleichheiten werden im Kontext von Praktiken, Diskursen und Ideologien des Zusammen|Halt|ens hervorgebracht? Wie sind Narrative und Rhetoriken des Zusammen|Halt|ens in die Legitimation, Reproduktion und Stabilisierung gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse eingespannt? Welche Bedeutung nehmen Bildung und Erziehung in der Genese, Stabilisierung oder auch Erosion von solidarischem Zusammen|Halt|en, und Gemeinschaft(en) in gesellschaftlichen Transformationsdynamiken und Krisenzeiten ein? Welche Relevanz kommt hierbei pädagogischen Praktiken, Institutionen sowie politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu?
- Welche methodologischen und methodischen Zugänge erweisen sich als geeignet, um Zusammen|Halt|en in seiner Prozesshaftigkeit und Brüchigkeit qualitativ zu erforschen?
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